Eine weitere Kindergeschichte

Adam ist anders
Adam war ein großartiger kleiner Junge, der fast den ganzen Tag mit seiner Mama zusammen saß und an etwas bastelte oder malte. Er rannte nicht herum wie die Nachbarskinder, die beim Klettern über Gartenzäune ihre Kleider kaputt machten. Auch kam er niemals auf den Gedanken, einfach ohne anzuhalten über die Straße zu rasen, nur weil er auf der anderen Seite etwas Interessantes erspäht hatte. Im Wald streunte er auch nicht mit den Kumpanen herum bis zur Dämmerung, um einen Schatz auszugraben oder ein Baumhaus zu bauen. Kurz gesagt, Adam begab sich niemals in Gefahr und darüber hätten Papa und Mama ja eigentlich froh sein können.
Aber das waren sie überhaupt nicht. Warum? Adam ließ das alles nämlich nicht freiwillig. Er war dazu gezwungen, ganz besonders auf sich Acht zu geben – Adam war krank! Seine Krankheit war nicht wie Masern, die bald wieder vergehen. Der arme Junge hatte starkes Asthma. Deshalb durfte er nicht rennen, sich nicht aufregen und vieles Andere mehr. Bekam er einen Anfall, dann konnte er kaum atmen, musste sofort behandelt werden mit starken Medikamenten und eine Sauerstoffmaske aufsetzen. Außerdem war auch noch ein Bein länger als das andere, was ihn natürlich zusätzlich behinderte.
In der Schule wurde er darum oft gehänselt und durfte beim Sport niemals mitmachen. Wenn Adam mal wieder ganz besonders traurig oder wütend war über seinen Zustand, dann sagte er zu seiner Mama: „Ach weißt du, mit mir kann eigentlich niemand etwas anfangen. Ich tauge einfach zu gar nichts. Manchmal haben alle Mitleid mit mir, das mag ich aber überhaupt nicht. Aber oft haben sie auch nur Spaß daran, mich zu ärgern. Das kann ich erst recht nicht ertragen. Ich glaube, ich bin ziemlich dumm.“ Seine Mutter war dann sehr niedergeschlagen und bekam nasse Augen. Sie nahm ihren Adam fest in die Arme und sagte mit fester Stimme: „Nein, das bist du auf gar keinen Fall, rede dir so etwas nicht ein. Du bist einfach nur anders. Dadurch bist du aber auch etwas ganz Besonderes und du kannst Dinge, die andere Kinder nicht schaffen. Was deine besondere Gabe ist, das werden wir bald herausfinden.“
Danach ging es Adam wieder etwas besser. Er dachte angestrengt darüber nach, was seine besondere Gabe war und beschäftigte sich mit Dingen, die er gerne tat. Er besaß nämlich einen Metallbaukasten, einen Chemiebaukasten und eine Truhe für angehende Zauberer. Abwechselnd arbeitete Adam mit diesen Sachen, machte komplizierte Versuche und freute sich daran, dass er immer besser Zusammenhänge verstand. Besonders das Zaubern hatte es ihm angetan. Innerhalb eines halben Jahres beherrschte Adam sogar schwierige Zaubertricks. Papa und Mama waren mächtig stolz auf ihn, als er seine erste Aufführung für sie gab.
Natürlich braucht ein Zauberer Zuschauer. Da Mama das wusste, organisierte sie für die Nachbarskinder und Schulkameraden eine Zauberschau im Garten. Alle, die eingeladen waren, kamen auch. Das war ein gewaltiger Erfolg für Adam und alle Kinder wollten jetzt Zauberer werden. Ein paar harmlose Tricks könnte er ja verraten, dachte er sich. Aber die außergewöhnlichen blieben natürlich sein Geheimnis. Nun war er nicht mehr so oft alleine und hatte sogar richtige Freunde, die am Nachmittag zu ihm kamen. Endlich wurde er auch zu Geburtstagen eingeladen und sein eigener wurde jedes Jahr zu einer sensationellen Zauberparty.
Als Adam achtzehn Jahre alt war, wurde sein Bein operiert, damit beide gleich lang waren. Solche Operationen macht man nämlich erst, wenn ein Mensch ausgewachsen ist. Deshalb hatte Adam so lange darauf warten müssen. Natürlich sollte er danach noch acht Monate im Krankenhaus bleiben. Während dieser Zeit las er alles über Magie und Zauberei. Anschließend entwickelte er aufregende Kunststücke, die er dann Schritt für Schritt aufzeichnete. Dabei kam eine ansehnliche Sammlung an Zauberstücken zusammen. Acht Aktenordner waren voll, als Adam das Krankenhaus verlassen durfte. Zum ersten Mal konnte er richtig laufen, Asthmaanfälle hatte er kaum noch.
Auf seiner Willkommensparty zu Hause war der gesamte Garten voller Menschen. Alle erwarteten, dass Adam neue Zaubertricks aufführte. Gespannt sahen sie, was er sich hatte einfallen lassen. Die Zuschauer waren so begeistert von der ausgezeichneten Magierkunst des jungen Mannes, dass sie vor lauter Erstaunen die Augen weit aufrissen und gewaltigen Beifall klatschten. Einer der Nachbarn arbeitete für ein Zeitungsmagazin und machte Aufnahmen für die nächste Ausgabe. Ein anderer schrieb einen langen Artikel, den er „Adam, der Magier“ nannte.
Das war der Anfang von Adams Aufstieg. Er bekam danach viele Angebote und mit achtundzwanzig Jahren war Adam der berühmteste Zauberer der Welt.

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