Überraschung! Hochzeitstag!

Leicht geschwächt von der vergangenen Nacht sitzen sie sich am Tisch der Seeterrasse gegenüber und halten sich bei den Händen. Leises Glück und Fetzen von Seligkeit schweben zwischen ihnen hin und her.

Nach dem Reggae-Festival bis vier Uhr in der Früh, spätem Frühstück um eins und Schwimmen im See, genießen sie den späten Nachmittag in dem kleinen Strandlokal mit eigener Liegewiese. Ihr erstes Wochenende nur zu zweit nach langer Zeit, frei, ohne Verpflichtungen.

Sechs Monate hatte man ihnen gegeben. Ein skandalöses Verhältnis! Das Urteil war schnell gesprochen, berief sich vorwiegend auf ihr Alter. Er – jung, unvernünftig und dumm, suchte natürlich nur Erfahrungen.  Sie – alt, zu alt, übergeschnappt und natürlich in einer Krise. Sie waren nicht Harold und Maude, nur 15 Jahre trennen sie und spielten nie eine Rolle. Für die Gesellschaft jedoch verkehrt herum.

Wind kommt auf. Über den Bergen am gegenüber liegenden Ufer türmen sich dicke Wolken in dunklem Lila. Erste Blitze zucken, sie sind noch weit. Die Segelboote kehren schnell in die Bucht zurück, Fahrradfahrer schwingen sich auf ihr Bike und sausen davon. Wildes Wetter an heißem Sommerabend, die Natur zeigt die Zähne. Sie liebt Gewitter, sie laden ihre Sinne auf. Genießt den Wind, dem sie sich voll Freude aufgeregt entgegen stemmt.

Ungeduldig zieht sie ihn zur Liegewiese auf eine hölzerne  Schaukelbank. Weit und breit kein Mensch mehr zu sehen. Lachen und Umarmungen. Sie hat die Quittung noch in der Faust, die sich langsam öffnet Bevor sie ihn im Müllkorb versenkt, fällt ihr das Datum auf. Es ist der 27.7. – ihr Hochzeitstag, der 19.! Ein Tag, der ihnen nicht wirklich wichtig ist. Alles nur Zahlen. Sie wissen ja, dass sie verheiratet sind und viele Tage sind ein Fest. Aber das ist jetzt schön – außerordentlich schön. Er hält sie ganz fest. Nichts kann ihr geschehen, niemand kann ihm mehr schaden. So ein wunderbares Schauspiel, voller Kraft und Licht, die Blitze wie ein Feuerwerk ihnen zu Ehren, Würdigung ihrer Kämpfe.  Noch ein wenig hier verweilen, bis der Regen einsetzt. Dann heißt es zurück ins Rad, in den täglichen Wahnsinn.

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