Verzögerung

Am Samstag kam es bei meinem wöchentlichen Einkauf für zwei Haushalte zu einer unerwarteten Verzögerung. Ich kaufe nicht gerne ein. Deshalb versuche ich dieses notwendige Übel organisiert und im Stechschritt zu absolvieren.
Ich befand mich schon auf der Zielgeraden zur Kasse und wollte nur noch ein paar Gummibärchen aus dem Süßigkeitenregal für meinen Liebsten, als ich durch einen schrillen Schrei gestoppt wurde. Ein kleines Mädchen mit einem eigenen Zwergen-Einkaufswagen, das sich offensichtlich in der Eltern-Prüfungsphase befand, sollte eine Tüte Gummibärchen zurücklegen, die sich in ihrem Wagen befand. Der Vater war entschlossen, die Tüte nicht zu kaufen. Das Geschrei ging über in lautes Weinen. Er sah nett aus und wirkte nicht wie jene Eltern, die ihren Kindern nur zeigen wollen, wer der Stärkere ist. Er erklärte oder eher versuchte zu überzeugen mit: „So etwas kaufen/essen wir nicht.“, „Wir haben doch schon … für dich gekauft.“ Bei dem Mädchen wollte sich jedoch kein Gemeinschaftsgefühl einstellen, es wollte diese Gummibärchen. Der Vater legte nun selbst die Tüte zurück, die Kleine holte sie sich weinend und schluchzend wieder.
Unmöglich hätte ich in diesem Moment meinerseits vor den Augen des Kindes zugreifen können. Also lehnte ich mich an die Eistruhe und wartete ab. So schnell war das Thema allerdings nicht erledigt. Zwar ging der Vater mit Vorankündigung Richtung Kasse, beeindruckte seine Tochter damit jedoch überhaupt nicht. Sie rief nun laut nach ihrer Mutter, die nach einiger Zeit auftauchte. Diese hatte auch sichtlich Mitleid mit dem Kind, sagte ihr aber dasselbe wie der Vater und wollte ebenfalls diese Tüte nicht kaufen. Es dauerte noch eine Weile, bis beide zur Kasse gingen, die Bärchen lagen noch im Wagen. Dann holte ich mir meine. Die Familie war an der Nachbarkasse, wo die Mutter versuchte, das ungeliebte Objekt unbemerkt vom Band verschwinden zu lassen, indem sie es der Kassiererin übergab. Das gelang nicht.
Ich werde mich hüten, dieses Erlebnis zu werten, bin nur froh, dass meine Kinder erwachsen sind – na ja, auch nicht immer, einiges vermisse ich schon. Auch wenn ich selten etwas verboten habe und solche extremen Situationen nicht erlebte, habe ich dennoch  schier endlose Diskussionen über Notwendigkeiten absolviert und dies nicht immer mit Erfolg – und das x fünf. Vielleicht verträgt jenes Kind keine Gummibärchen, vielleicht handeln die Eltern aus einer anderen Überzeugung heraus. Jede Familie hat ihre eigenen Regeln, in die man sich nicht einmischen sollte, solange das Kind keinen Schaden nimmt. Gilt m. E. auch für Kindergarten und Schule.

 

2 Gedanken zu “Verzögerung

  1. Ja, ich hüte mich auch davor, Geschehnisse dieser oder ähnlicher Art zu bewerten. Versuche sie – wie du – zu beschreiben. Für mich begreiflich zu machen auf die eine oder andere Art. Ad acta zu legen. Oft bleibt es beim Versuch und noch lange Zeit danach denke ich an gewisse Geschehnisse, die ich miterleben musste/durfte/konnte. So manches relativiert sich mit der Zeit, doch andere wiederum sind bohrend.

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