2. KW – Fortschritt durch Rückblick

Es war eine emotional anstrengende Woche. Ich habe viel geschrieben – zwei Nächte ohne Schlaf – Hochgefühl – Niedergeschlagenheit– Verwirrung.

Meine Protagonistin Lena ist auf der Suche nach ihrer wahren Natur. Sie durchlebt noch einmal die Brüche ihrer Kindheit. Dadurch tauchen alte wiederkehrende Albträume auf, Gefühle von Unheil, Schuld, Scham und Verlust sind wieder gegenwärtig. Spuren zu ihrem Leben zwischen tiefer Verzweiflung und überbordendem, abenteuerlichem Lebenswillen werden sichtbar. Dieses Mal alles richtig machen. Kann das überhaupt gelingen? Und wie wichtig ist es wirklich? Wieviel Fehler passen in ein Leben, bevor es unbeherrschbar wird?

Einiges davon hat mich sehr mitgenommen. Ich brauchte eine Pause. Die Lawine aus Gedanken stoppen – etwas anderes lesen, weg von Lenas Problemen. Sonst verzettle ich mich. Erst einmal das Ende eines Buches, das mich sehr berührt hat: „Vor der Zunahme der Zeichen“ von Senthuran Varatharajah. Es beinhaltet einen zufälligen Chat über einen Zeitraum von 7 Tagen zwischen Senthil Vasethevan, einem Doktoranden mit tamilischen Wuzeln und Valmira Surroi, einer Studentin, die ursprünglich aus Bosnien stammt. Sie erzählen von Erlebnissen und Begebenheiten aus ihrem Leben, tauschen ihre Gedanken aus, wobei sie auch das Schicksal ihrer Eltern mit einbeziehen. Die Sprache des Chats ist ungewöhnlich, nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen eindrucksvoll. Ohne Jammern, Werten oder Anklagen kommen diese Berichte aus, deren unterschwelliger Kummer und Bedauern mir oft die Tränen in die Augen trieben. Viele kleine Verletzungen, Stich für Stich dicht nebeneinander, haben auf der Seele Narben hinterlassen, die von Zeit zu Zeit aufbrechen. Vergangenes kulturelles Erbe, auch das der Vorfahren, von dem man sich distanzieren wollte, ist allgegenwärtig. Für mich ein sehr lesenswertes Buch. Ich bin zufällig darauf gestoßen, da ich aufgrund meiner adoptierten Töchter einen ganz besonderen, engen Bezug zu Sri Lanka habe.

Kommen wir nun zu einem anderen Buch, das ich mit großer Freude lesen werde. Gestern habe ich den Anruf von meiner Buchhandlung bekommen, dass es angekommen ist – sogar doppelt, da ich ein Exemplar verschenken werde. „Svea Kerling meets E. A. Poe“ von – natürlich – Svea Kerling. Auszüge daraus konnte ich bereits auf deren Blog lesen. Auch bei ihr ist es eine besondere Art der Sprache, das gekonnte Auswählen und Anwenden der Wörter, das mich schon in ihrem ersten Roman „Schwarz oder Weiß – Borderliner kennen kein Grau“ gefangen genommen hat. Darüber hinaus bringen das Dunkle, Gesagtes und Ungesagtes sowie Ähnlichkeiten im Empfinden meine Seele zum Klingen. Manchmal ist es gerade so, als werde beim Lesen in mir eine Tür aufgestoßen. Das ist beinahe ein wenig kitschig, aber passender kann ich es nicht ausdrücken. Will ich auch nicht!

Jetzt muss ich weg. Meine Schwiegertochter ist unerwartet – für mich – mit ihren beiden Kindern aus Neuseeland angekommen, da es ihrer Oma sehr schlecht geht. Derweil blickt mein Sohn wehmütig in die leeren Kinderzimmer und vermisst seine Frau. Ich habe sie seit fast zwei Jahren nicht mehr gesehen, meinen jüngsten Enkel noch nie. Außer über Skype. Aber nach solchen Anrufen geht es mir immer schlecht, weil mir dann die Entfernung noch stärker bewusst wird. Wie dem auch sei, nun gibt es erst einmal ein Wiedersehen. Ich freue mich.

 

 

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