2017- 1. KW – Aus dem Ruder gelaufen

Es sollte ein Kindergedicht werden. In Wartepositionen schreibe ich oft Kindergeschichten/-gedichte.  Gedacht waren sie in erster Linie für meine Schüler/-innen. Geplant von A bis Z. Unter anderem fehlte mir seit langem noch etwas für X, Y und Z. Einem guten Einfall nachgehend begann ich. Dann lief es völlig aus dem Ruder, wie schon in der Überschrift erwähnt.

Lag es an den vielen Ärgernissen der vergangenen Monate, setzt langsam Resignation ein, dass sich gesamtgesellschaftlich etwas positiv verändert? Womöglich hatten auch die Albträume und andere Erinnerungen meiner Hauptfigur Lena den Sturm losgetreten. Seelischer Schmerz verursacht Zorn, weiß man ja. Oder die Enttäuschung darüber, dass mein sozialkritischer Roman „Vorbilder? Fehlanzeige!“ so wenig gelesen wird, wo doch ständig gejammert und nach neuen Wegen gesucht wird? Das könnte natürlich auch an mir selbst liegen, daran, dass ich die Öffentlichkeit scheue, schlecht werben kann, mich „streetworkern“ und Gefälligkeitsrezensionen von Freunden und Verwandten verweigere. Vielleicht das Zusammentreffen aller drei Wahrnehmungen? Wie dem auch sei, es war nicht zu stoppen.

Hier nun das Gedicht, unvollendet, weil meine Gedanken immer krasser wurden. So sehr, dass ich sie nicht mehr aufschreiben wollte. Denn wenn die Worte erst einmal in der Welt sind, kann man sie schwerlich zurückholen:

Das X und auch das Ypsilon,

die wünschten sich ein Xylophon,

um auf den Plätzen von Mexiko,

Paraguay und anderswo

den Rhythmus der Freude den Menschen zu bringen.

Das kann am besten mit Musik und Tanz gelingen.

 

Das Z hat auch noch mitgemacht,

Zimbeln, Trommeln und Flöten gebracht.

Die Kinder Xaver, Yvonne und Maxi

kommen zum Mitmachen mit dem Taxi.

Der Maxi will die Trommeln spielen,

um die Macht des Rhythmus ` zu fühlen.

Yvonne und Xaver lieber beim Flöten bleiben,

um damit böse Gedanken zu vertreiben.

 

Dann geht es los mit vollem Schwung

zur Begeisterung von Alt und Jung.

Von weitem schon hört man den Ruf der Klänge,

wildes Trommeln und Gesänge.

Hände trommeln, Füße stampfen

Und die Luft beginnt zu dampfen.

Wie in Hypnose und ganz befreit

schwingen die Körper lange Zeit.

Es tanzt mit uns, aus uns heraus.

Ach hörte das Tanzen doch nie mehr auf!

 

 

Die mystischen Weisen aus alten Zeiten,

sie warnten, uns würde das Leben entgleiten.

Die Psyche, sie wird auch Seele genannt,

die hat das Geheimnis schon immer gekannt.

Wir haben es leider schon lange verloren,

doch trifft die Musik auf die inneren Ohren,

dann wissen wir`s wieder und es gibt kein Halten,

das gilt für die Jungen und auch für die Alten.

 

 

Viele Typen von Menschen auf dieser Welt,

oft trennt uns nur die Sorge ums Geld.

Ob Norden, ob Süden, ob arm oder reich,

beim Musizieren sind alle gleich.

Sie spüren das Leben, vergessen den Schmerz,

reißen ein die Mauern, finden wieder ihr Herz.

Deshalb sieht man Musik als gefährlich an,

weil man ihren Geist nicht beherrschen kann.

Wenn Kinder verhungern, Mütter weinen,

kann man dann selber glücklich sein?

Die Welt ist voll von schrecklichen Wunden,

Einigkeit und Mitgefühl lässt sie gesunden.

Ein Ende der Kriege wär zu aller Wohle,

außer  die Rüstung, die wollen die Kohle.

Gier nach Öl, Diamanten, Uran heißt die Plage,

fördert alles Schlechte im Menschen zutage.

Wollen wir wirklich etwas wenden,

müssen Verteilungskämpfe enden.

 

Was ist geblieben von altem Wissen,

wo wir immer schneller sein müssen?

Wer waren wir früher, wer sind wir jetzt?

Oberflächlich und gehetzt,

überall dabei, doch nie im Jetzt.

Und wer will das wirklich wissen?

Ignoranz ist ein sanftes Ruhekissen.

Dazu die Angst, irgendwas zu vergessen,

Job zu verlieren, keine Wohnung, kein Essen.

 

Bald sind wir nur noch Kurven virtuell,

glaubt es ruhig, das geht ganz schnell.

Wer schreit auf, wer schlägt rein?

Ich will zurück zum wahren Sein!

Doch wenn wir`s laut sagen, was wird passieren?

Kann man uns noch mehr kontrollieren?

Oder in eine Anstalt zerren,

um uns für immer wegzusperren?

Aus Angst und aus Verfolgungswahn

lieber Kopf in den Sand und Fernseher an?

 

Mein Geist wird irr, mein Herz zerbricht,

doch die Konzerne schert das nicht.

 

 

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s