49. KW -Verantwortlichkeit/ Glaubwürdigkeit

Eine unproduktive Woche liegt hinter mir. Wichtigeres als das Schreiben stand im Vordergrund, denn eine familiäre Pflegesituation erforderte meine volle Konzentration. Wenn ich dergestalt ausgebremst bin, lese ich während der kurzen Ruhephasen sehr viel, die Gedanken stehen ja nicht einfach still. So landete ich unter anderem auf dem Blog von Zoe Beck, deren Beiträge ich immer wieder sehr interessant finde.

Besonders das Thema „Die Welt spiegeln – die Welt verändern“ vom 23. März 2016 hat mich nachdenken lassen. Nachdenken darüber, wie viel Verantwortung Autorin und Autor durch die Veröffentlichung des Wortes tragen. Hierbei geht es nicht darum, die eigenen Inhalte so weit zu verdrehen, bis diese ins Weltbild der Mehrheit passen, sondern um Wortwahl, Vermeidung von Formen der Erzählung, die den Lesern keinen  Spielraum für kritisches Hinterfragen lassen, indem  gesellschaftlicher Zustand und Stillstand als naturgegeben oder unveränderbar (alternativlos) geschildert werden.

Wichtig sind aber m. E. auch Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit. Man spürt sehr schnell, ob der/die Schreibende hinter seinem Text steht. Ist dem nicht so, fehlt die Lebendigkeit und  man kann sich das Lesen auch gleich sparen. Was das mit dem vorigen Absatz zu tun hat? Na ja, die Wahrnehmung von Menschen ist eben verschieden. In meinem Fall vielleicht auch so ein Generationen-Ding.  Das Folgende bezieht sich vorwiegend auf Wortwahl bzgl. der Schilderung von Frauen oder Mädchen. Alle anderen Inhalte des obigen Beitrages entsprechen ausnahmslos meinen Ansichten. Zur Veränderung des gesamtgesellschaftlichen Bewusstseins muss sich bisweilen auch der Sprachgebrauch verändern.  Durch regen Austausch weiß ich um den Wunsch und die Notwendigkeit, mehr weibliche Wortformen zu gebrauchen. Das akzeptiere ich und bemühe mich, dies zu beachten.

Persönlich habe  ich mich jedoch zu keiner Zeit z. B. durch rein männliche Berufsbezeichnungen ausgegrenzt gefühlt. Eine grammatikalisch männlicher Begriff gilt für mich nur für das Berufsbild an sich und nicht für ein biologisches Geschlecht. Schließlich sind die Anforderungen eines Berufes klar definiert, somit für Männer wie Frauen gleich. Und ob man Mann oder Frau ist, sieht man ja. Auch im Sport hat mich der begriff „Jungensport“ nicht von der Teilnahme abgehalten,  weil ich das einfach lächerlich fand. Wie gesagt, ich beschreibe hier meine ganz individuellen Empfindungen. Zu diesen gehört auch, dass sich der Wortzusatz „-in“ wie eine Verniedlichung anfühlt. So als ob weibliche Mitarbeiterinnen – wollte schon wieder Mitarbeiter schreiben, weil weiblich schon dasteht – ihre Arbeit in geringerer Qualität ablieferten. oder zumindest geringer geachtet würde.  Mir geht es in der Betrachtung mehr um fehlende wahre  Wertschätzung als um Bezeichnungen, wobei das zuweilen schon auch zusammenhängt. Aus all dem wird wohl klar, dass ich oft eine innere Ablehnung gegen dieses -in habe. Deshalb fällt es mir manchmal schwer, gegen mein Gefühl Begriffe abzuändern und es stört meinen Schreibfluss. Also tue ich es nicht immer.

Allerdings habe ich Abwertung und Ausgrenzung erfahren als Mutter. Z.B. wenn ich nach meiner Trennung als Alleinerziehende mit 5 Kindern eine feste Anstellung suchte (sowohl als Lehrerin als auch in der freien Wirtschaft), wenn ich mich für die Anzahl meiner Kinder rechtfertigen musste und mich ständig in der Beweispflicht sah, dennoch nicht zu verblöden, mich keineswegs nur über Windeln, Stillen und Babybrei zu unterhalten. So furchtbar viel hat sich da bis heute nicht geändert, sodass hier besonders im Berufssektor noch elementarer Nachholbedarf bzgl. Unterstützung bzw. Beseitigung der Benachteiligung besteht.

Defizite bestehen weiterhin auch noch häufig im fachlichen Umgang  und der Wahrnehmung der Talente in mathematischen Fächern  bei Mädchen in den höheren Schulstufen. Aus Gesprächen mit ehemaligen Schülerinnen weiß ich, dass diese zum Teil  Ähnliches erleben, wie mathematisch sehr begabte Mädchen – ich gehörte nicht dazu – zu meiner Schulzeit. Angefangen von hingeworfenen Bemerkungen, dass Mädchen keinen Sinn hätten für diese Fächer bis hin zu der Methode,  ihre Meldungen einfach zu übersehen, so als  erwarte man von ihnen ohnehin keine verwertbare Aussage.

Diese Form der Behandlung erscheint mir prägender und  weitaus hinderlicher bei der Entwicklung einer positiven Selbstwahrnehmung  als einfache Begriffe.

Eine kritische Diskussion ist durchaus erwünscht.

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu “49. KW -Verantwortlichkeit/ Glaubwürdigkeit

  1. Sprache wird ja nicht nur verfremdet, sondern es werden auch deutsche Begriffe umdefiniert. Das Benutzen vieler, nicht gängiger Fremdwörter dient m. E. auch dazu, sich sehr verwaschen und somit ungreifbar auszudrücken. Oder es geht darum, durch deren Verwendung erlesener, gebildeter, wichtiger zu wirken. Mehr Schein statt Sein, wie in vielen Bereichen üblich. Ich kann jedoch auch mit deutschen Wörtern viel reden, ohne etwas auszusagen, s. politische Reden.
    Mir ist in der Sprache wichtig, mich klar und differenziert zu äußern und auf die gleiche Weise zuzuhören. Das verhindert eine Menge Missverständnisse.
    Ob ich Nationalstolz besitze, kann ich nicht sagen. Das hängt von der Definition ab. Ich hänge am Dorf meiner Kindheit in Nordhessen, mag viele Landschaften und Städte in Deutschland, aber mein Herz gehört Tirol. Ich fiebere schon auch bei Meisterschaften mit und freue mich, wenn die deutsche Mannschaft gut genug spielt und dann gewinnt. Spielt sie schlecht, soll sie auch nicht gewinnen.

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  2. Hier füge ich einfach mal m. E. relevante Gedanken aus dem Jahre 2008 an … :
    *
    Sprache und Gesellschaft

    Die VERFREMDUNG der deutschen SPRACHE
    durch den JOURNALISMUS und die WERBUNG
    scheint w i r t s c h a f t l i c h e n ZWÄNGEN
    zu unterliegen:
    So wie
    immer mehr ARBEITNEHMER aus KOSTENGRÜNDEN aus deutschen UNTERNEHMEN e n t l a s s e n und
    diese zugleich in ausländische WIRTSCHAFTSGEBIETE
    ausgelagert werden,
    so werden
    immer mehr WORTE aus PLATZEINSPARUNSGRÜNDEN
    einschließlich der zunehmenden SPRACHFAULHEIT
    aus dem deutschen WORTSCHATZ zugunsten eingeführter
    fremdländischer BEGRIFFE w e g g e l a s s e n …
    Empfindet man in DEUTSCHLAND
    nur noch im STADION heute NATIONALSTOLZ ?
    ___
    (C) PachT
    „Wenn der Gesetzgeber in der Vergangenheit eine (Rechtschreib-) Reform gegen das Volk beschlossen hat, dann muss es heute um so mehr möglich sein, die Sprache des Volkes im Grundgesetz vor Willkür zu schützen.“ … an BILD am SONNTAG zu dem Artikel vom 07.12.08, S. 3: „73% für Deutsch ins Grundgesetz“

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